Community Lotsen - Ehrenamtliche Arbeit von Geflüchteten in ihren Wohnunterkünften

In 2015 sind in Hamburg über 60.000 Menschen angekommen, von denen über 20.000 Geflüchtete nach der ersten Zuteilung in Hamburg aufgenommen wurden. Das sind sieben Mal mehr als zwei Jahre zuvor. Die fliehenden Menschen wurden von den Hamburgerinnen und Hamburgern gut aufgenommen.

Aber wie geht es nach dem ersten Willkommen für die Geflüchteten weiter? Wie gelingt es ihnen, in der deutschen Gesellschaft Fuß zu fassen? Was brauchen diese Geflüchteten, um sich zu entwickeln, sich Stück für Stück Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zu erarbeiten?

Nach der Erstversorgung treten Fragen des Alltags und der Integration im Quartier auf. Das ikm wird in Kooperation mit der altoba-Stiftung (Altonaer Spar-und Bauverein eG), der Elisabeth-Kleber-Stiftung, der Baugenossenschaft freier Gewerkschafter, als auch mit Stiftung der Eisenbahnbauverein Harburg eG zur Förderung von sozialen Einrichtungen und kultureller Integration, der Stiftung der Wohngenossen- schaft von 1904, der Stiftung „Miteinander leben und wohnen“, der Stiftung Hamburger Wohnen und der dhu Stiftung ein bundesweit neues Konzept der „Community Lotsen“ entwickeln, durchführen, begleiten und auswerten.

Aus diesem wie auch aus jahrelanger Erfahrung in vielfältigen Projekten zieht das ikm den Schluss, dass ein „Quartier des Ankommens“ die richtige Antwort ist, um frühzeitig eine parallele Entwicklung in den sozialen Einrichtungen und der Nachbarschaft zu vermeiden. Hierbei soll die Vermittlung sprachlicher, wie auch kultureller Unterschiede auf Augenhöhe geschehen. Community Lotsen sollen alltägliche Konflikte vor dem Hintergrund individueller Wünsche und Ängste der BewohnerInnen konstruktiv vermitteln können und so eine positive Nachbarschaft bzw. einen positiven Zusammenhalt vor Ort herstellen.

Bundesweit betritt das ikm damit Neuland. Wie in anderen Projekten der Konfliktvermittlung mit Lotsenfunktion sollen die Community Lotsen ausgebildet und im weiteren Verlauf ihrer Tätigkeit begleitet werden. In Anbetracht der Voraussetzungen ist dies eine sensible Aufgabe. Wir sehen, dass eine Mischung der Gruppe der Lotsen aus einer Unterkunft und interessierten BewohnerInnen der Umgebung gut möglich ist. Einfache Informationsweitergabe wird gewährleistet und ein gegenseitiges Lernen unterstützt.

Unsere Projekterfahrung zeigt, dass ungefähr 20 Menschen in einer Gruppe eine Wirkung auf die Gemeinschaft von mehreren tausend Bewohnerinnen und Bewohnern eines Stadtteils haben. Aus langer Erfahrung sehen wir in Lotsen die stärkste und nachhaltigste Wirkung, um mit Veränderungen stabil umzugehen und für eine eigene Weiterentwicklung zu sorgen.