Kiezläufer

Vandalismus im Stadtteil, Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen im öffentlichen Raum, von Pöbeleien bis zu Übergriffen auf Bewohner eines Wohnquartiers – Probleme, vor denen Jugendeinrichtungen, Polizei und Bewohner – ja, auch die Jugendlichen selbst – stehen. Solche Vorfälle machen einen Stadtteil unattraktiv, unsicher und weniger lebenswert – für alle dort lebenden. Wie kann man jedoch diesen Umständen begegnen? Falls die Polizei zur rechten Zeit an Ort und Stelle ist, stellt sich die Frage, ob es einen Straftatbestand gibt bzw. ob die Ordnungskräfte durch ihre Autorität nachhaltig wirken können. Jugendeinrichtungen schließen ihre Türen spätestens um 22 Uhr – oft schon zu früh und sind deshalb nicht mehr ansprechbar, weder für Jugendliche noch für Anwohner.

Mit den Kiezläufern vertrauen wir die Verantwortung für den Umgang mit Auseinandersetzungen Jugendlichen selbst an. Nach der Auswahl geeigneter Personen, einer Ausbildung in Kommunikation, verschiedenen Eingriffsmöglichkeiten und dem Netz des Hilfesystems im Stadtteil sind sie in kleinen Gruppen im Stadtteil unterwegs – nicht, um zu sanktionieren oder als Ordnungshüter ohne Mandat, sondern um mit ihrer Präsenz und ihren Fähigkeiten Konflikte zu deeskalieren und Handlungsalternativen aufzuzeigen. Die Kiezläufer sind Ansprechpartner besonders für Kinder und Jugendliche, die nicht von alleine die Angebote und Beratungsmöglichkeiten des Stadtteils wahrnehmen.

Damit die Kiezläufer für ihre Tätigkeit gerüstet sind, bekommen sie eine kostenfreie Ausbildung mit praxis- und handlungsorientierten Übungen zu Themen wie:

  • Selbstbewusstes Auftreten
  • Techniken der Mediation und konstruktiven Konfliktaustragung
  • Deeskalations- und Interventionstechniken
  • Beteiligung- und Mitbestimmungsmöglichkeiten
  • Geschlechterspezifische Ansprache
  • Austausch über die Praxiserfahrungen in den Teams

Entscheidend für den Erfolg sind mehrere Faktoren:

  • Kiezläufer sind bei der Zielgruppe gut akzeptiert und wirken als Vorbilder
  • Kiezläufer wurden für ihre Aufgabe gut vorbereitet. Sie absolvierten eine fundierte Grundausbildung von 40 Std. und werden durch regelmäßige Supervision und weiterführende Fortbildungen in ihrer Arbeit unterstützt
  • Ein Umfeld an verschiedenen Hilfestellungen für Jugendliche wurde aufgebaut, welche durch die Kiezläufer an die Jugendlichen herangetragen werden
  • Es gibt eine Anlaufstelle/Büro und eine Betreuung vor Ort